Sozial und Demokratisch???

 

Vergleicht man sich, in Deutschland lebend - mit all den anderen Nationen dieser Erde, könnte man durchaus meinen, sich in einer absolut demokratischen und sozial starken Gesellschaft zu befinden.

Man könnte es nur meinen, oder trifft es schlicht zu?

 

Natürlich, verglichen mit den Um- und Zuständen in Westafrika, Tadschikistan oder Bangladesch -  um nur drei von vielen anderen Ländern zu nennen, leben Wir, die Westeuropäer  tatsächlich wie die Made im Speck. Wenn da nicht der gesteigerte Anspruch auf Zufriedenheit und Wohlstand wäre, der sich automatisch mit dem Fortschritt und dem wachsenden Reichtum potenziert. Klassisch, weil noch gar nicht all zu lange her - kann man das an den Menschen feststellen, die ihr Leben in den neuen Bundesländern meisterten..., bis zum Mauerfall im tiefsten Sozialismus. Zweifellos gab es auch in der DDR Menschen, die massiv mit dieser Gesellschaftsform aneckten und nicht selten bitter dafür bezahlen mussten - desmanchen sogar mit ihrem Leben. Doch bemessen der gesamten Bevölkerung - waren diese Menschen eine absolute Minderheit. 

 

Die meisten DDR Bürger arrangierten sich sehr gut mit den Gegebenheiten, ohne auch nur im geringsten Parteikonform zu sein. Hinter den Wänden der Wohnungen ließen sich sicher 90% aller Bürger in aller Regelmäßigkeit, kritisch und mit einem großen Maß an Selbstironie - über die Gesellschaft aus, in der Sie lebten. Doch wer in Knappheit heranwächst und kaum Chancen hat sich mit Materiellen gegenüber der Anderen zu profilieren, der sieht sich auch nicht dazu angehalten im permanenten Wettstreit mit Jedem und Allem zu stehen. Genügsamkeit paarte sich mit Erfindergeist, Provisorien erfüllten meistens den gesunden Anspruch - sich etwas Besonderes mit dem zu schaffen, was zur Verfügung stand... und das, war nicht viel. 

Die mental durch fehlenden Prunk und Pomp unverfälschte Individualität, vereinte sich im gemeinsamen Los in bescheidener Zufriedenheit dennoch glücklich sein zu können. Und sie waren es, im Großen und Ganzen - denn eines der größten Schätze den die DDR Bürger besaßen, war ihre Menschlichkeit und ihr grenzenloser Zusammenhalt.

 

Doch so gut sich der DDR Bürger auch mit der sozialistischen DDR zu arrangieren wusste, auf den Zug des Rufes - nach mehr Freiheit und besseren Lebensverhältnissen, sprang er ohne wirklich darüber nachzudenken blind auf. Und es entwickelte sich rasch ein Selbstläufer, der schon bald rein gar nichts mehr mit dem ursprünglichen Aufbegehren zu tun hatte. Politische wie demografische Veränderungen waren der Ursprung des Aufbegehrens und nicht im Ansatz schlummerte die Hoffnung, das die Mauer fiele und Deutschland sich nach 40 Jahren wieder zu einer Nation vereint. Doch der Stein rollte bereits unaufhaltbar und im blinden Massendrang, wohl auch mit dem Herdentrieb vergleichbar - wurden immer mehr Personen mutig und schlossen sich dem Ruf an, "Wir sind das Volk"., "Die Mauer muss weg". 

 

Wohl die Wenigsten waren sich darüber im Klaren, was das für Sie und ihre Zukunft bedeuten würde.

Die absolut begründete, nachvollziehbare und gerechtfertigte Euphorie - hielt jedoch nicht lange an. Denn schon bald nachdem die wie eine Ikone verehrte D Mark Einzug gehalten hatte, zogen die cleveren Staatslenker und gewieften Wirtschaftsexperten die Zügel straff. Fast mit der Zerstörung der Mauer einher, zerfielen auch all die in den Jahren lieb und teuer gewesenen Art und Weisen - mit denen selbst im suggestiv verfallenden Sozialismus  Harmonie und Zufriedenheit ausgelebt wurde. Vom funkelnden Westen wurden die darauf blind und taub hereinfallenden Ossis, durch eiskalte und berechnende Aasgeier überrannt. Fast über Nacht befand der starke Nachbar, die marktwirtschaftlich gestriezten Bundesbürger - das so gut wie Alles wertlos war und/oder radikal verändert werden musste. LPGs und Großbetriebe wurden massiv ins Aus gedrängt und treuhändisch korrekt - was real korrupt heißen müsste, abgewickelt. Abgewickelt wurde in der Form, das dem Ostler sein Vermächtnis radikal unter den Füßen weggezogen und darauf setzenden, bereits in den Startlöchern stehenden Spekulanten als Bonbon für "einen Apfel und ein Ei" geschenkt wurde.

 

Spätestens zu diesem Zeitpunkt hat der DDR Bürger gemerkt, das da etwas vor sich geht - was so nicht vorgehen dürfte. Doch der gesteigerte Mut zur Gegenwehr, hatte sich wohl in den friedlichen Demonstrationen zur "Wende" verausgabt. Obwohl die Frustration schnell immer größer wurde, vorher normal und für ehemalige DDR Verhältnisse gut Situierte auf einmal ohne Arbeit da standen und ihres schwer ersparten Geldes erleichtert worden waren, gab sich der DDR Bürger geschlagen und stellte sich nicht selten orientierungslos, wieder an den Schlangen an. Doch es hatte sich etwas radikal geändert...

Wenn Schlange stehen vorher ganz normal war, um etwas von Dem zu ergattern, was sonst nicht in den Regalen der HOs und Konsums stand - stand man jetzt als Mittelloser auf dem Arbeitsamt an, um morgen nicht ohne das Nötigste dazustehen. Gestandene Bürger mit über 30 Jahren in ihrem Beruf, galten nun im vereinten Deutschland nach Dünken des immer beneideten Westlers, als Hilfsarbeiter.

Die in all den Jahren Sozialismus antrainierte Zähigkeit und Fähigkeit, selbst mit widrigsten Umständen irgendwie doch zurecht zu kommen - half wohl der gesamten ehemaligen DDR Bevölkerung, um nicht gemeinsam Suizid zu begehen. Man war es gewohnt Unangenehmes herunterzuschlucken und sich zu sagen, was solls... Zu diesem Zeitpunkt zwar schon im Begriff langsam am Gebaren des einstig angebeteten BRD Bürgers zu zerfallen, bestand noch der Jahrzehnte lang ausgelebte Zusammenhalt. Dieser machte es einfacher, sich gemeinsam über die alles andere als so gewollte Freiheit im klaren zu werden.

 

Doch mit dem Wegfall der Barrieren und der Flut an westdeutschen Produkten in den sterbenden Läden, war der wohl jämmerlichste Instinkt des Menschen nach dem Besseren zu streben - als das Gegebene zu hegen, entfacht. Ein Zurück kam für keinen DDR Bürger in Frage, denn jeder Schritt zurück wäre eine klare Bekenntnis der eigenen Dummheit gewesen und zudem der Schmach, sich dem eigenen Bagatellisieren und im Eigenwert zu mindern, am Ende sich selbst zu Egalisieren - zu überführen. Augen zu und durch, so wurde der Kampfgeist geschürt um trotz alledem zu bestehen. So begann der DDR Bürger vermehrt unter Null und wenn er zu Beginn seiner Aufholjagd den Westen noch imitierte, wurde er mehr und mehr zu einem noch größeren Scheusal - als Jene, die nach dem Öffnen der Grenzen wie Heuschrecken über den Osten herfielen um ihn Blutleer zu saugen.

 

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